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Bioabfallwissen / 20. August 2022

Landwirtschaftsmeister Günther Frank setzt auf Kompost aus Bioabfall

Landwirtschaftsmeister Günther Frank steht lächelnd mit blauem Polo-Shirt und Jacke vor einem Kompost-Haufen und hält frischen Kompost in der Hand.

Landwirtschaftsmeister Günther Frank von der Frank GmbH in Kraichtal benötigt zum Anbau von Winterweizen, Mais, Raps und Zuckerrüben wertvollen Biokompost. Er dient als sogenannter Biodünger, der Boden- und Kulturpflanzen wichtige Nährstoffe liefert und den Humusgehalt im Boden erhöht. Den benötigen Kompost erhält er von den Vergärungs- bzw. Kompostierungsanlagen, die den Bioabfall des Landkreises verwerten. Zudem kompostiert er selbst auf seinem Hof in Kraichtal.

Biokompost erhöht Wasserspeicherkapazität des Bodens

„Der Biokompost hilft, die Wasserspeicherkapazität im Boden nachhaltig zu verbessern, was wiederum für mehr ‘Leben im Boden‘ (z.B. Regenwürmer, Pilze und Mikroorganismen) sorgt. Dadurch bleiben die Erträge stabil und steigerungsfähig.“

Günther Frank, Landwirtschaftsmeister

Der große Vorteil von Biokompost als Bodenverbesserer ist die erhöhte Wasserspeicherfähigkeit. Bleibt die Humuszufuhr aus, kann es bereits in der Folgeernte zu erheblichen Ausfällen kommen. Das hat Auswirkungen auf den Versorgungsfluss der von Landwirtschaftsmeister Frank belieferten Mühlen und macht sich als Preiserhöhung in der Öl-, Stärke-, Futtermittel- oder Energieindustrie bemerkbar. Ein extremes Austrocknen der Böden führt sogar zu einer Hydrophobierung des Bodens. Das bedeutet, der Boden nimmt kurzfristig kein Regenwasser mehr auf, das Wasser läuft ab und die Gefahr von Hochwasser bei Starkniederschlägen steigt.

Biokompost ermöglicht Verzicht auf chemische Düngemittel

Der Verzicht auf chemische Dünger reduziert die CO2-Emmission. Der Transport und der hohe Energieaufwand bei der Herstellung des künstlichen Düngers kann eingespart werden. Biokompost ist somit in allen Bereichen nachhaltiger und vor allem regional verfügbar. Das Problem: Wird nicht sauber getrennt oder landet zu viel Bioabfall in der Restabfalltonne, kann kein Biokompost hergestellt werden. Wer seinen Bioabfall sauber und vor allem getrennt über die Biotonne oder das Bringsystem erfasst, unterstützt Landwirte wie Günther Frank beim Anbau unserer Lebensmittel und leistet einen Beitrag zum Umweltschutz.

Der Naturkreislauf als Vorbild der industriellen Kompostierung

Die Entstehung von Kompost aus Bioabfall folgt dem Vorbild der Natur und dem Naturkreislauf. In der Natur existiert ein raffiniertes System zur Verwertung von natürlichen Abfällen wie Blätter oder Blüten. Folgendes Szenario zeigt sich Jahr für Jahr: Im Frühjahr wachsen die Pflanzen, im Sommer tragen sie Blätter, Blüten und Früchte. Im Herbst fallen diese als „natürlicher Abfall“ zu Boden und verwelken und verrotten bis zum Winter.

Ein Beispiel bietet der Apfelbaum: Er nutzt die Nährstoffe aus dem Boden für das Wachstum von Äpfeln und Blättern. Diese fallen im Herbst auf den Boden und verrotten. Für das Verrotten der herabfallenden Blüten und Blätter sind Mikroorganismen verantwortlich. Sie zersetzen den „natürlichen Abfall“ und stellen daraus Humus her. Humus ist reich an Nähr- und Mineralstoffen, die Pflanzen im Frühjahr zum Wachsen benötigen.

Grafik zeigt den Kreislauf von Laub und Früchten in der Natur: den Wachstum, den Fall zu Boden, die Zersetzung durch Kleinstlebewesen, die Entstehung und Einsatz von Humus für das Wachstum neuer Pflanzen

Dieses Prinzip steckt auch in der industriellen Kompostierung. Das Ganze läuft nur deutlich schneller ab. Innerhalb weniger Wochen wird der Inhalt der Biotonnen in speziellen Vergärungs- bzw. Kompostierungsanlagen zunächst vergoren und dadurch Bioenergie gewonnen. Die Festreste werden im Anschluss zu Frischkompost verarbeitet. Der krautige und grasige Grünschnitt, den die Kreiseinwohnerinnen und -einwohner auf den insgesamt 65 Grünabfallsammelplätzen abgegeben, wird direkt in einer Kompostierungsanlage verwertet. Der entstandene Frischkompost kann von den Landwirten als Bodenverbesserer auf den Feldern eingesetzt werden.

Was passiert in einer industriellen Kompostierungsanlage?

Die Bioabfälle aus dem Landkreis Karlsruhe werden in drei Vergärungsanlagen verwertet. Dort werden die Abfälle unter anderem zu wertvollem Biokompost umgewandelt. Dafür wird der Kompost in feingliedrige Teile zerlegt und mit zerkleinerten Pflanzenabfällen durchmischt. Unter ständiger Luftzufuhr zersetzen Mikroorganismen den Bioabfalll in sogenannten Rotteboxen. Der Bioabfall erhitzt sich und verliert Wasser, gleichzeitig werden Krankheitserreger, austreibende Unkrautsamen und Pflanzenteile abgetötet. Dieser Prozess wird als Hygienisierung bezeichnet.

In der so genannten „Nachrotte“ wird das Material zwei bis vier Wochen in „Kompostmieten“ gelagert. Es wird maschinell durchgemischt und gut durchlüftet. So können die Mikroorganismen unter idealen Bedingungen arbeiten. Der daraus entstandene Frischkompost ist reich an Humus.

Im Anschluss wird etliche Male gesiebt, um möglichst viele Störstoffe (z.B. Plastikteile) aus dem Frischkompost zu entfernen.

Ein Radlager in einer Kompostierungsanlage befördert gesiebten Humus im Hintergrund auf einen Haufen, im Vordergrund wird Humus über ein Fließband befördert.

Wie setzen Landwirte den Kompost aus Bioabfall ein?

Landwirte nutzen den Frischkompost und arbeiten diesen auf ihren Feldern ein. Dabei müssen bestimmte Regeln eingehalten werden. „Die Anwendung von Biokompost auf Gemüsefeldern und Ackerbauflächen darf nur vor dem Anbau mit anschließender Einarbeitung erfolgen. Der Ackerboden wird so mit wertvollen Mineral- und Nährstoffen versorgt und kann diese an die Pflanzen abgeben“, betont Frank. So schließt sich der natürliche Nährstoff- und Humuskreislauf nach dem Vorbild der Natur.

Mehr zu diesem Thema gibt es in den folgenden Beiträgen:

Vom Abfall zu Strom und Biokompost

Strom aus Bioabfall – was die Biotonne zur Energiewende beitragen kann

Bioabfall, nachhaltige Landwirtschaft und erneuerbare Energien

Zur Sicherstellung der Nahrungsmittelproduktion und Energiegewinnung spielt Bioabfall eine wichtige Rolle. Er kann – wenn er richtig getrennt gesammelt wird – einen wichtigen Beitrag leisten. Er verringert oder verhindert die Verwendung von seltenem und wertvollem Torf sowie künstlichen Düngern.

Damit die Verwertung von Bioabfall als Paradebeispiel der Kreislaufwirtschaft optimal funktionieren kann und unsere Küchenabfälle zu Biokompost und auch Strom verwertet werden können, muss Bioabfall richtig getrennt gesammelt werden. Jeder kann so seinen Beitrag leisten.

Mit der Einführung der getrennten Bioabfallsammlung 2021 konnte der Anteil der Küchenabfälle in der Restmülltonne bereits von 60 auf unter 40 Prozent gesenkt werden.

Machen wir weiter so.

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