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Bioabfallwissen / 04. Juli 2022

Nicht für die Biotonne gemacht: Bambuszahnbürsten und kompostierbare Kaffeekapseln

Warum gibt es Bioplastik?

Plastik ist Fluch und Segen zugleich. Wir nutzen es für lebensrettende medizinische Geräte oder bauen damit Flugzeuge und Elektroautos. Es ist stabil und wasserfest. Gelangt es aber in die Umwelt, führt Plastik zu Problemen, da es auf natürlichem Wege kaum abgebaut werden kann. Bioplastik ist ein Lösungsansatz gegen Plastikverschmutzung und Mikroplastik in der Umwelt. Die Hersteller versuchen damit biologische Kreisläufe nachzuahmen. So besteht Bioplastik zu 20 bis teilweise sogar 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen, meist Kartoffeln, Mais oder Zuckerrohr. In einigen Anwendungsbereichen kann es sinnvoll sein, die Entsorgung über die Bioabfallsammlung ist allerdings nicht so einfach möglich.

Kompostierbare Verpackungen sind kein Fall für die Biotonne

Der SWR hat in seinem Beitrag „Das Geschäft mit der Nachhaltigkeit“ die Entsorgung und Kompostierbarkeit von kompostierbaren Kaffeekapseln untersucht. Die Redakteurinnen und Redakteure haben dazu die Biovergärungsanlage im Rems-Murr-Kreis besucht. Dabei fanden sie heraus, dass sich die kompostierbaren Kapseln, anders als beworben, nicht in der vorgegebenen Zeit zersetzen. Der Kunststoff der Kapseln ist am Ende des Prozesses angegriffen, aber noch nicht verrottet. Das liegt daran, dass der Bioabfall nicht lange genug im Fermenter, in dem der Abbauprozess stattfindet, verweilt. Da die Zersetzung im industriellen Prozess nicht bei allen als „kompostierbar“ deklarierten Produkten funktioniert, ist die Entsorgung als Bioabfall laut Bioabfallverordnung sowie Abfallwirtschaftssatzung verboten. Richtig ist: Kompostierbare Kaffeekapseln gehören in die Restmülltonne.

Wann dürfen Hersteller ihre Produkte als „kompostierbar“ deklarieren?

Hersteller werben damit, dass ihr Produkt kompostierbar ist, obwohl es in der Praxis nicht funktioniert. Wie ist das möglich? Dafür ist nach Angabe des SWR-Berichts die EU-Norm 13432 verantwortlich: „Die besagt, dass Plastik „kompostierbar“ heißen darf, wenn es in industriellen Anlagen in maximal 6 Monaten zu 90 Prozent verrottet. Doch solche Anlagen gibt es in Europa praktisch nicht […].“ Viele kompostierbare Verpackungen sind nur unter Laborbedingungen biologisch abbaubar, nicht aber in den industriellen Kompostierungsanlagen.

Bambuszahnbürsten gehören in die Restmülltonne

Auch Produkte aus Bambus wie zum Beispiel Bambuszahnbürsten erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Durch ihr natürliches Aussehen suggerieren sie den Käuferinnen und Käufern umweltbewusst zu handeln. Dahinter steckt die Vermutung, Bambus sei der umweltfreundlichere Rohstoff.
Bambus ist ein extrem schnell und unkompliziert nachwachsender Rohstoff. Der sogenannte „Moso-Bambus“ wächst zeitweise bis zu einem Meter pro Tag. Zudem bindet er Bambus sehr mit viel CO2 und braucht daher keine zusätzliche Bewässerung oder Düngemittel, muss dagegen aber über weite Strecken nach Deutschland transportiert werden. Aber sind die Produkte aus Bambus bei der Entsorgung besonders umweltfreundlich?

Oftmals wird damit geworben, dass Bambus biologisch abbaubar sei und in der Biomülltonne entsorgt werden kann. Dies stimmt leider nur zum Teil. Der Stiel von Wattestäbchen und Zahnbürsten, der aus Bambus besteht, könnte in der Biotonne entsorgt werden, allerdings verrottet Bambus sehr langsam. Deshalb ist eine Entsorgung über die Biotonne auch in diesem Fall nicht möglich. Noch dazu kommt, was viele Verbraucherinnen und Verbraucher nicht wissen: Die Watte und die Borsten der Zahnbürste gehören in die Restmülltonne. Fazit: Diese Produkte landen am Ende in der Verbrennung statt in der Kompostierungsanlage und bieten somit keinen Mehrwert für unsere Umwelt.

Bambuszahnbürsten wie auch Wattestäbchen aus Bambus gehören ebenso wie kompostierbare Kaffeekapseln in die Restmülltonne. Wer nachhaltig handeln will, sollte überlegen, an welchen Stellen auf Einwegprodukte verzichtet werden kann. Für manche kompostierbaren Kunststoffe sind auch Produkte mit weniger Verpackung oder Produkte aus recycelten Materialien eine Alternative – denn richtig getrennt können auch „normale“ Plastikprodukte zu einer Kreislaufwirtschaft beitragen.

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