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Bioabfallwissen / 28. März 2022

Strom aus Bioabfall: Was die Biotonne zur Energiewende beitragen kann

Die seit 2021 im Landkreis Karlsruhe zusätzlich getrennt gesammelten Obst- und Gemüsereste sowie sonstigen biologischen Abfälle sind wertvolle Rohstoffe. Im ersten Jahr sind ca. 13.500 Tonnen Bioabfälle aus dem Landkreis Karlsruhe in der Bioabfallvergärungsanlage der AVR BioTerra GmbH & Co. KG in Sinsheim, der BEM Umweltservice GmbH in Westheim und der Bauer Kompost GmbH in Bad Rappenau verwertet worden. Aus einer Gewichtstonne Bioabfall können rund 470 Kilowattstunden Bioerdgas und etwa 350 Kilogramm Kompost gewonnen werden.

Seit dem 1. Januar 2021 werden die Bioabfälle im Landkreis Karlsruhe getrennt gesammelt. Das funktioniert ganz bequem mit der Biotonne oder dem Bringsystem, bei dem Bürgerinnen und Bürger ihre Abfälle selbst zu den Grünabfallsammelplätzen im Landkreis bringen. In die Bioabfallsammlung gehören Gemüse- und Obstreste, Nahrungsreste, Kaffeefilter oder verwelkte Blumen. Diese organischen Abfälle sind eine saubere Alternative zu fossilen Energieträgern, da aus ihnen Strom oder Bioerdgas gewonnen wird. Die Abfälle aus der Küche sind dabei energetisch besonders wertvoll. Aus dem Bioabfall entsteht aber nicht nur Energie, sondern auch Kompost. Mit diesem regional produzierten Kompost können die landwirtschaftlichen Böden mit wertvollen Nährstoffen versorgt werden.

Bei der AVR in Sinsheim wird aus Bioabfall grüne Energie

Der Bioabfall aus dem Landkreis Karlsruhe wird unter anderem in der Vergärungsanlage der AVR in Sinsheim verwertet. Hier werden insgesamt etwa 64.000 Gewichtstonnen Bioabfall im Jahr aus mehreren Landkreisen verarbeitet. Daraus entsteht wertvolles Bioerdgas; in Summe etwa 30 Gigawattstunden pro Jahr.

Schritt 01: Zerkleinern und Fremdstoffe entfernen

Im ersten Schritt wird das Material zerkleinert und von Störstoffen, wie zum Beispiel Plastik, befreit. Über Förderbänder gelangt das biologische Material dann in den Fermenter.

Anlieferungshalle der Bioabfallaufbereitung: Vor der Vergärung werden Fremdstoffe aus den organischen Abfällen entfernt. Über Förderbänder läuft das zerkleinerte Biomaterial in den Fermenter.

Schritt 02: Der Gärprozess im Fermenter

Der Fermenter ist das Herzstück der Anlage. Hier findet der sogenannte Gärprozess der Bioabfälle statt. Diesen Prozess nennt man „anaerob“, weil er frei von Sauerstoff abläuft. Mit einer Temperatur von 55 bis 60 Grad Celsius und einer feuchten Umgebung herrschen im Fermenter ideale Bedingungen für Mikroorganismen. Die Mikroorganismen zersetzen die Bioabfälle, die sogenannte Biomasse, und es entsteht Biogas. Das Biogas selbst besteht aus dem Energieträger Methan und aus Kohlenstoffdioxid.

Schritt 03: Aufbereitung zu Bioerdgas

Das sogenannte Rohbiogas wird bei der AVR BioGas GmbH zu Bioerdgas aufbereitet und anschließend in das Erdgasnetz eingespeist. In manchen Vergärungsanlagen wird das Biogas auch direkt vor Ort in Blockheizkraftwerken zu Strom und Wärme umgesetzt. Der große Vorteil bei der Einspeisung in das Erdgasnetz ist die gute Speicherfähigkeit. Damit ist Bioerdgas als erneuerbarer Energieträger deutlich flexibler als Sonnen- und Windenergie. Mehr zur Bioabfallverwertung bei der AVR in Sinsheim erfahren Sie im Filmbeitrag „Bioabfallvergärungsanlage mit Biomethaneinspeisung auf dem Gelände der AVR Deponie Sinsheim“

Paradebeispiel der Kreislaufwirtschaft in Sinsheim: Produktion von Frischkompost für die Landwirtschaft

Gärrestkonditionierung in der Anlage: Ist der Bioabfall im Fermenter vergoren, wird der sogenannte Gärrest in wertvollen Frischkompost verwandelt.

Nach der Vergärung werden die Bioabfälle getrocknet und zu Frischkompost weiterverarbeitet. Dieser wird in der Landwirtschaft als Dünger eingesetzt: Er gibt dem Boden wertvolle Nährstoffe zurück, die er durch die Pflanzenanzucht verloren hat. Aber nicht zu viel, denn der Stickstoff ist so gebunden, dass er nur in geringem Umfang für die Pflanzen verfügbar ist und nicht in das Grundwasser ausgewaschen werden kann.

Der organische Dünger ist zugleich Humus und dient daher auch als Torfersatz im Gartenbau. Die Bioabfallverwertung gilt deshalb als Paradebeispiel der Kreislaufwirtschaft: Mithilfe natürlicher Prozesse werden die Bioabfälle in Kompost umgewandelt, der schadlos in der Umwelt verwendet werden kann. Das funktioniert jedoch nur, wenn schon die im Haushalt erfassten Abfälle aus Küche und Garten sauber getrennt und möglichst frei von störenden sowie schädlichen Stoffen sind. 

Bioabfall getrennt sammeln und verwerten ist Umweltschutz

Die Verwertung von Bioabfall ist ein wichtiger Baustein für das Erreichen der umweltpolitischen Ziele Deutschlands. Das richtige Trennen ist der erste Schritt. Rund 9 Millionen Tonnen Bioabfälle fallen jährlich in Deutschland an, aber nur 4,6 Millionen Tonnen werden getrennt erfasst und verwertet. Ein Großteil wird fälschlicherweise in der Restmülltonne entsorgt und damit thermisch verwertet. Mit der Einführung der getrennten Bioabfallsammlung hat der Landkreis Karlsruhe einen wichtigen Schritt hin zu einer umweltfreundlichen und kreislauffähigen Abfallverwertung getan.

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